Einige Merkmale des Opportunismus in Amerika

  • 07.07.14 19:17

Heutzutage bezwecken der Opportunismus, der Reformismus und der Revisionismus durch einen erneuerten Diskurs alte Ziele zu erreichen, nämlich die Arbeiterklasse und ihre kommunistischen Parteien von den Grundlagen des Marxismus, dem revolutionären Kampf gegen den Kapitalismus, dem Prinzip der Diktatur des Proletariats, der revolutionären Rolle der Arbeiterklasse und ihrer Partei der Vanguarde in der sozialistischen Revolution und beim Aufbau des Sozialismus-Kommunismus zu trennen.

Der Kampf gegen den Opportunismus und gegen die Degeneration der Zweiten Internationale, der von den Bolschewisten und anderen in der Zimmerwalder Linken gruppierten Marxisten, von den Spartakisten in Deutschland und von vielen Parteien, Strömungen und Gruppen geführt wurde, und auf dessen Grundlage die Dritte Internationale - die Kommunistische Internationale - entstand, stellt eine große Lektion dar.

Historisch betrachtet verfolgte der Opportunismus das Ziel den Marxismus zu entstellen, herabzuwürdigen, unbrauchbar zu machen, zu zähmen, indem er den Marxismus dem Direktangriff unterzog, die Klassiker verzerrte, sich nicht vor der groben Verstümmelung der Texte1 scheute um Versionen zu präsentieren, die der Politik der kleinen Schritte, dem Parlamentarismus, der Koexistenz mit dem Kapitalismus und dem Verzicht auf den Kampf um die Machtübernahme nützlich waren. Der Opportunismus führte die Parteien der Zweiten Internationale zu einer zurückweichenden Position und wurde zum kriminellen Komplizen des Imperialismus während des Ersten Weltkriegs; er diente unmittelbar als Unterdrückungsapparat des Kapitals gegen die deutsche Revolution und trug die Schuld an der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

Sämtliche Kräfte des Opportunismus wandten sich gegen die Große Sozialistische Oktoberrevolution und unterstützten durch die Rechtfertigung der imperialistischen Intervention - der Sicherheitszone - die Konterrevolution, die die Sowjetmacht der Arbeiter und Bauern zu stürzen versuchte.

Im Laufe der Zeit hat die Erfahrung bewiesen, dass der Kampf gegen den Opportunismus, den Reformismus und den Revisionismus von großer ideologischer Bedeutung ist, da er eine Frage von Leben und Tod für die Existenz der Partei der Arbeiterklasse, für die proletarische Revolution und für die Errichtung der Arbeitermacht ist. Wladimir Iljitsch Lenin betonte in verschiedenen Werken, dass der Kampf für den Sozialismus ohne den Kampf gegen den Opportunismus unvollständig sei. Diese Auffassung stellte ein Identitätsmerkmal der neuen von der Kommunistischen Inernationale gebildeten Parteien dar, so wie sich in mehreren ihrer Dokumente widerspiegelt, in denen vom konstanten und unerbittlichen Kampf gegen die "Helfer der Bourgeoisie", von der Anerkennung der Notwendigkeit eines totalen und absoluten Bruchs mit dem Reformismus die Rede ist, „denn ohne dies ist eine konsequente kommunistische Politik unmöglich"2; andernfalls – warnte man - würde die Dritte Internationale im Endeffekt der verfallenen Zweiten Internationale ähneln.

Und diese ideologische Front kann man nicht als vorübergehend, beendet oder reduziert auf eine in der Vergangenheit der Geschichte der kommunistischen Bewegung liegende Etappe betrachten.

Der Opportunismus ist eine Hilfskraft der Bourgeoisie, die dazu dient Prozesse des Aufschwungs des Klassenkampfes zu verzögern, die revolutionäre Welle aufzuhalten und die Konterrevolution zu fördern, aber wir sollten die Tatsache nicht unterschätzen, dass seine Tätigkeit in allen Perioden ununterbrochen ist, und dass seine Gefährlichkeit gerade dann wächst, wenn die Möglichkeit besteht, dass sich – durch die Zyklen des Kapitals - Bedingungen für die Radikalisierung des Bewusstseins der Arbeiterklasse ergeben. Heutzutage ist er eine wesentliche Stütze des Imperialismus in Europa und in Amerika, er bekommt sogar von den Monopolen finanzielle Mittel für sein politisches Handeln: NGOs, ideologische Aktivitäten und vor allem Förderung alternativer Formen der „menschlichen“ kapitalistischen Wirtschaftsführung. Dies ist die Rolle der Partei der Europäischen Linken, der sich zunehmend und immer gefährlicher das Forum von Sao Paulo3 nähert, trotz einer Rhetorik, die die neoliberale Wirtschaftsführung kritisiert und Politiken der Sozialfürsorge fördert4.

Heutzutage tritt der Opportunismus auf zwei Ebenen in Erscheinung. Die erste ist die Untergrabung der kommunistischen und der Arbeiterparteien im Inneren, sodass sie ihre Identitätsmerkmale, ihre revolutionären Charakteristika verlieren und schließlich als Parteien enden, die nur der Form nach kommunistisch, tatsächlich aber sozialdemokratisch sind, d.h. sie mutieren zu opportunistischen Organisationen. Die zweite ist die unmittelbare Förderung von opportunistischen Gruppierungen, die aus ehemaligen Kommunisten, Maoisten, Trotzkisten, Sozialdemokraten bestehen, wie der Linksblock in Portugal und SYRIZA in Griechenland.

Die ideologische Front gegen den Opportunismus ist eine Notwendigkeit; sie zu vernachlässigen, gering zu schätzen, zu ignorieren führt zur Auflösung der kommunistischen Parteien. Zum Beispiel: Die KP Mexikos machte sich genauso wie andere Parteien Lateinamerikas die Tendenz des Browderismus zu Eigen. Wie wir wissen, befand sich die KP der USA einen Schritt vor der Auflösung, als beabsichtigt wurde, sie in einen Verein umzuwandeln, in eine Art ideologischen Klubs. In Mexiko verkörperte die Sozialistische Liga dieses Modell, in der die KP aufgelöst werden sollte. Als die kolumbianische, die kubanische und die dominikanische Partei dieser Strömung beitraten, änderten sie ihre Namen. Die KPM löste ihre Parteizellen in Industrie und Gewerkschaften auf, entsagte vorübergehend dem demokratischen Zentralismus und änderte ihren Namen: aus der Kommunistischen Partei Mexikos wurde die Mexikanische Kommunistische Partei. Zu den schweren Verletzungen der leninistischen Struktur kam eine Politik der Koexistenz mit Sektoren der Bourgeoisie hinzu, die "national" und "fortschrittlich" benannt wurden, und man verzichtete auf den revolutionären Weg zur Eroberung der Macht. Der Brief von J. Duclos sowie die Kritik von anderen Parteien löste Reaktionen kämpferischer Umgruppierung der Kommunisten aus um die Auflösung zu vermeiden und die Parteien wiederaufzubauen.

In späteren Dokumenten5 erkannte die MKP an, dass die Ablehnung des Browderismus nur formal war. Dies wirkte sich in den folgenden Jahren aus, denn es wurde gegen bestimmte, nach dem 20. Parteitag der KPdSU geförderte Politiken opportunistischer Orientierung nicht reagiert, wie die Frage der sogenannten "nationalen Wege" zum Sozialismus, der Möglichkeit des friedlichen Weges, der nicht als Ausnahme, sondern - basierend auf der Politik der französischen und der italienischen Partei - als allgemeingültig für die kommunistische Bewegung aufgefasst wurde.

Die MKP wurde durchdrungen und wurde allmählich zerstört bis hin zu ihrer Auflösung im Jahr 1981. Sie mutierte zunächst zu einer sozialistischen Partei und dann zur Partei der Demokratischen Revolution (Mitglied der Sozialistischen Internationale, Förderer der keynesianischen Wirtschaftsführung und Unterdrücker der Arbeiter- und Volksbewegung), einer Partei der herrschenden Klasse, die von der Propaganda als Partei der Linken in Mexiko präsentiert wird. Die schwierigen Bedingungen des Wiederaufbaus der KP und das politische Niveau der Arbeiterklasse im Kampf zeigen, dass das Ziel der Auflösung der MKP in den 80er Jahren darin bestand, dem proletarischen Kampf einen vernichtenden Schlag zu versetzen, ihn um Jahrzehnte zu verzögern.

So aktuell ist derzeit das Thema, dass die Kommunistische Partei der Vereinigten Staaten heute vor einem ähnlichen Problem steht wie unter Earl Browder: Die opportunistische Strömung, die der Parteivorsitzende Sam Webb führt, schlägt eine Plattform vor, um die Partei ihrer charakteristischen Merkmale zu berauben, sie aufzulösen und zu einer Hilfskraft der Demokraten zu machen. Diese Plattform enthält viele vom Eurokommunismus propagierte Elemente, d.h. von dem Prozess, der zur Auflösung der MKP führte und der jetzt verschiedene kommunistische Parteien darunter auch einige in Amerika angreift.

Wir bestehen auf der Wichtigkeit der Bekämpfung der opportunistischen Tendenzen. Die Darlegung der Merkmale des Opportunismus in Amerika wird zeigen, dass diese, abgesehen von einigen Besonderheiten, den internationalen Opportunismus allgemein charakterisieren. 

Das Allgemeine, das Spezifische und die Abweichung, die eine Überbetonung der Besonderheiten darstellt

Der Marxismus-Leninismus - ideologische Grundlage der kommunistischen Parteien, revolutionäre Theorie der Arbeiterklasse – stützt sich auf dem dialektischen Materialismus, dem historischen Materialismus und der politischen Ökonomie. Er beabsichtigt durch das Studium der geschichtlichen Entwicklung, der Produktionsweisen, des sozialen Klassenkonflikts, der gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, der Gesetze, denen die Veränderungen und die Revolutionen unterliegen, das Allgemeinste herauszuarbeiten. 

Die Besonderheiten, das Spezifische, sollten berücksichtigt werden, da sie den Marxismus-Leninismus schöpferisch bereichern, sie können aber nicht der entscheidende Faktor in der Herangehensweise, in der Analyse sein.

Mit der Begründung, sich vom Dogmatismus und von realitätsfernen Analysen distanzieren zu wollen, wird zur Verdrehung des Marxismus aufgerufen, indem man die scheinakademische Kritik wiedergibt, deren Ziel es ist, einerseits Engels von Marx und andererseits Lenin von Marx zu trennen. Einige lateinamerikanische Parteien - heutezutage zählt auch die KP der USA dazu - distanzieren sich vom Leninismus, der einer anderen historischen Periode und den Besonderheiten von Russland entspreche, wie sie bemerken. Im Grunde handelt es sich um den Verzicht auf die revolutionären Thesen des Marxismus, was vom theoretischen Standpunkt aus unhaltbar ist. Das ist außerdem eine Quelle der politischen Abweichungen, die zum Bewegungskult („movimientismo“) führen und die Rolle der Partei und der Arbeiterklasse entstellen.

Die sogenannte Lateinamerikanisierung des Marxismus hat vieles mit früheren korrosiven Aktionen - wie diejenigen von Santiago Carrillo und den Eurokommunisten - und mit dem "westlichen Marxismus" gemein. Denn man lehnt den dialektischen Materialismus, die Diktatur des Proletariats offen ab und führt einen Angriff auf die Geschichte der kommunistischen Parteien an.

Es ist bemerkenswert, wie einige kommunistische Parteien sich kritiklos diesen Positionen angleichen und sie fördern; zum Beispiel indem sie den Vertrieb des Verlags trotzkistischer Herkunft Ocean Sur übernehmen, in dessen Publikationen der Angriff auf den im zwanzigsten Jahrhundert aufgebauten Sozialismus überwiegt und Kritik am Marxismus-Leninismus verbreitet wird, wobei man diesen als "sowjetische Staatsideologie" bezeichnet; das alles abgeschirmt durch die Verlagswerbung für Materialien, die mit der kubanischen Revolution zusammenhängen.

Wesentliche Aspekte des dialektischen Materialismus wie der philosophische Atheismus werden unter dem Druck von Strömungen wie der Befreiungstheologie umgangen.

Aus derselben Quelle stammt das Argument, dass der Marxismus eurozentrisch sei. Diese eklektische Mischung unter mystizistischem Anstrich führt schließlich zur Anhebung des Lateinamerikanismus zum Alpha und Omega.

Man kümmert sich nicht um die Neuauflage der Klassiker, sondern um die Propagierung der modernen Fälscher. Da sie auf das Hochschulpersonal beschränkt sind, könnte man sie zur Folklore zählen, wenn ihr Einfluss in den Reihen einiger kommunistischer Parteien nicht so groß wäre. Die Schwäche an der ideologischen Front, die unzureichende Entwicklung wissenschaftlich-theoretischer Studien und Arbeiten, die unseren Klassenstandpunkt als Ansatz haben, führt dazu, dass mehrere Parteien vom ideologischen Schmuggel derer überrascht werden, die als selbst ernannte „Marxisten“ den Marxismus angreifen. Als Beispiel wollen wir an den nicht lange zurückliegenden Fall von H. Dieterich erinnern, einem der Ideologen des "Sozialismus des XXI Jahrhunderts", dem die Presse einiger kommunistischer Parteien Spalten reservierte.

Die ideologische Abweichung, der Eklektizismus, die Hervorhebung des Spezifischen sind die Basis für erneutes Revidieren des Marxismus.

Eine weitere negative Eigenschaft des Opportunismus besteht darin, dass man die allgemeinen Gesetze der Revolution unter Berufung auf die "Originalität" der vergangenen und der laufenden sozialen Prozesse übergeht. Eine seit dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution bestätigte Prämisse der internationalen kommunistischen Bewegung ist der Charakter der Epoche, die wir als die des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen, des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus bestimmen; wir sind der Meinung, dass der zeitweilige Sieg der Konterrevolution die Prämisse nicht ändert.

In Bezug auf das Programm führt der Opportunismus eine Debatte und eine Strategie ein, die sich auf den Übergang beziehen, und die die Aufgaben der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei aufschieben. Welches ist das Argument? Vor allem seit dem Triumph der Chinesischen Revolution wurde die These von den Gegensätzen innerhalb der Bourgeoisie und von der Existenz eines im Widerspruch zum Imperialismus befindlichen "nationalen Sektors" dieser Bourgeoisie akzeptiert (These von Mao Tse Tung). Nach dieser Auffassung wird die nationale Bourgeoisie im antiimperialistischen Kampf zum strategischen Verbündeten der Arbeiterklasse um ein programmatisches Ziel zu erreichen, nämlich die Ketten der Abhängigkeit vom amerikanischen Imperialismus zu brechen. Es gibt verschiedene Ansichten rund um die Ursachen der Abhängigkeit; einige unterstützen die irrtümliche Konzeption, dass der Kolonialismus mit feudalen oder halbfeudalen Verhältnissen identifizierbar sei; andere charakterisieren den Kapitalismus als verformt und unvollständig, was dem Marxismus-Leninismus, einer Klassenpolitik und den Aufgaben der kommunistischen Parteien eine Reihe von Fragen aufwirft.

An erster Stelle zeigen selbst die Ansichten über die Entwicklung der kapitalistischen Verhältnisse, dass die Stellungnahme zum Thema Abhängigkeit nicht dialektisch ist. Die Akkumulations-, Konzentrations- und Zentralisierungsprozesse führen zur Entstehung von Monopolen, die unabhängig von Grenzen oder Nationalitäten in Wirtschaft und Politik schließlich vorherrschen. Was tatsächlich existiert, sind Beziehungen der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den Monopolen auf der einen Seite und der Arbeiterklasse auf der anderen, d.h. der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Lassen Sie es uns ein wenig erklären.

Wer in Mexiko den Standpunkt vertritt, dass es die Hauptaufgabe sei die Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu erobern, und für eine Klassenallianz mit betroffenen Sektoren der Bourgeoisie arbeitet, vergisst, dass das, was er nationale Bourgeoisie bezeichnet, heutzutage Monopole bildet, die Kapitale exportieren und Arbeitnehmer aus verschiedenen Ländern ausbeuten6, die also bereits Teil des Imperialismus sind. Einige dieser mexikanischen Monopole sind auf kontinentaler Ebene und sogar in den Vereinigten Staaten (z.B. Telekommunikations- und Bergbauunternehmen) dominant.

So konzipiert ist der Kampf für die Unabhängigkeit nichts weiter als die Suche nach einer neuen Wirtschaftsführung des Kapitalismus mit absolut fiktivenVerbündeten.

Lückenhaft ist auch die Einschätzung, der Imperialismus identifiziere sich ausschließlich mit den Vereinigten Staaten. Der Imperialismus ist der Monopolkapitalismus und eines seiner Zentren sind die USA, aber auch die EU und jede Tätigkeit der Monopole und der zwischenstaatlichen Beziehungen. Betrachten wir als Beispiel den Süden des Kontinents, wo die Expansion der brasilianischen Monopole eine Realität ist. Oder den Mercosur, der eine zwischenstaatliche Allianz kapitalistischen Charakters ist, die immer engere Interdependenzbeziehungen mit der Europäischen Union7 schafft.

Diese Vorstellung von Allianzen mit Sektoren der Bourgeoisie wurde zeitgemäß auf den Namen "Fortschrittlichkeit" getauft. Mehrere kommunistische Parteien arbeiten mit diesen Sektoren bei der Bildung von Regierungen zusammen, die ihre Klassennatur nicht verbergen und Politiken verwirklichen, die den Superprofiten der Monopole zugute kommen, wobei Brasilien das offensichtliche Beispiel ist.

In dieser Bündnispolitik ist die Rolle der Arbeiterklasse und der beteiligten kommunistischen Parteien untergeordnet; es ist eine riskante Angelegenheit, denn die Klassenunabhängigkeit und die Parteiautonomie sind nicht mehr die vorrangigen Aufgaben, die unnachgiebige Pflicht. Die Parteien sind keine militanten Organisationen mehr. Sie gehen in Mitgliedergruppen über, für die der Sozialismus zu einer entfernten Möglichkeit wird. Durch die Festlegung einer langwierigen Zwischenetappe werden sie zur Klassenzusammenarbeit, zu Sozialpakten und zu einem für die „Fortschrittlichkeit“ funktionellen Parlamentarismus geführt, der eine Wirtschaftsführungform des Kapitalismus ist.

Die Prozesse in Venezuela, Ecuador und Bolivien weisen eine unterschiedliche Problematik vor, zu der einige Parteien Stellung nehmen, indem sie von der marxistischen Staatstheorie Abstand nehmen. Der venezolanische soziale Prozess ist sehr wichtig, aber er ist noch keine Revolution. Wie kann man einen Prozess als Revolution bezeichnen, bei dem kein neuer Staat entstanden ist, wo der alte nicht zerstört wurde und als Struktur besteht, mit der weiterhin regiert wird? Einen Prozess, bei dem man weder die Produktionsmittel sozialisiert noch dem primären und sekundären Wirtschaftssektor einen Antrieb gegeben hat? Es ist uns klar, dass dieser Prozess ein Spannungen und Konflikte vorbringendes Dilemma darstellt; es ist ein Prozess, bei dem die Richtung noch nicht endgültig feststeht, wo heute noch die Positionen der Mittelschichten vorherrschen und der Angriffen unterworfen ist, die von den Monopolen finanziert werden. Und wir nehmen keine neutrale Position ein, wir stehen solidarisch zu den fortschrittlichsten Kräften, unter ihnen zur KPV. Aber es ist ungenau und irrtümlich, diesen Prozess als Weg zu fördern, indem man das, was noch keine Revolution ist, eben als Revolution bezeichnet.

Der Angriff auf den im zwanzigsten Jahrhundert aufgebauten Sozialismus, Leitmotiv des Opportunismus

Ein Kennzeichen des Opportunismus ist der Angriff auf die Erfahrung des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR und in anderen Ländern, die durch das Aufgreifen trotzkistischer und antikommunistischer Argumente geschmäht wird.

Wie seinerzeit Kautsky konzentrieren die Opportunisten ihre Thesen auf die Abwesenheit von objektiven Bedingungen für den Sozialismus; auf angebliche undemokratische und bürokratische Tendenzen. Sie greifen die Wirtschaftsplanung an und schlagen die Koexistenz verschiedener Eigentumsformen und Handelsbeziehungen vor.

Das ganze vom Kapital angesammelte Arsenal wird in neuen Versionen vorgebracht. Einige kommunistische Parteien treten dieser Situation entgegen, andere lassen das Thema aus und andere schließen sich solcher Positionen an. Daher haben mehrere kommunistische Parteien den Vorschlag des "Sozialismus des XXI Jahrhunderts" nicht nur auf der Propagandaebene, sondern auch als programmatische Konzeption aufgenommen, was - wie bereits die Marxisten-Leninisten signalisiert haben – eine Manifestation gegen die sozialistische Revolution und die Arbeit der Kommunisten darstellt.

Diese Charakteristika des Opportunismus auf dem Kontinent stehen in Verbindung miteinander, und obwohl sie sich nicht klar und kohärent äußern und manchmal versuchen sich mit dem Marxismus-Leninismus zu vermischen, stellen sie die kommunistische Bewegung vor ernste Probleme.

Sogar ein gewisser Grad an opportunistischer Agressivität kam von Seiten der KP Brasiliens während des letzten im Dezember 2011 in Athen stattfindenden Treffens der Kommunistischen und Arbeiterparteien zum Ausdruck, als man euphemistisch äußerte, dass die Beteiligung der Kommunisten an fortschrittlichen Regierungen ein Reifezeichen und dass die Kritik daran eine von den Massen entfernte sektiererische Position sei. Die Zusammenarbeit der Klassen sei dann das Richtige, während die Klassenunabhängigkeit und die Autonomie der Kommunistischen Partei das Falsche sei. Das Abgleiten der KP Brasiliens in opportunistische Positionen ist offensichtlich.

Bei einer sehr allgemeinen Beurteilung stellt man fest, dass in Amerika – mit Ausnahme von Kuba - kapitalistische Verhältnisse vorherrschen, unabhängig davon, dass in einigen Ländern auf dem Land noch vorkapitalistische Verhältnisse existieren. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit ist offensichtlich und die Tendenz zur Proletarisierung steigt in den Mittelschichten. Wie überall auf der Welt stellen die historischen Grenzen des Kapitalismus die Arbeiterklasse vor das unaufschiebbare Ziel, für den Sturz der Bourgeoisie und den Aufbau des Sozialismus-Kommunismus zu kämpfen. Der Opportunismus als Stoßtrupp des Kapitals versucht es zu vermeiden. Es ist für die kommunistischen Parteien notwendig, auf der Hut zu sein und ihn ständig zu bekämpfen.

 

1Zum Beispiel die Einführung von F. Engels 1895 zu Die Klassenkämpfe in Frankreich.

2Zum Beispiel Bedingungen für Aufnahme in die Kommunistische Internationale von Lenin für den 2. Kongress der Komintern.

3Objektive Grundlage dafür ist die stärkere gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Mercosur und der EU, die Zunahme der wirtschaftlichen Beziehungen.

4Der Anti-Neoliberalismus stellt eine Verwaltungsform des Kapitalismus in Frage, aber die Alternative dazu ist nicht unbedingt antikapitalistisch, sozialistisch-kommunistisch, sondern in vielen Fällen handelt es sich um andere Verwaltungsformen wie der Keynesianismus, wie es die „fortschrittlichen“ Entwicklungen in Argentinien, Uruguay und Brasilien zeigen.

5La lucha interna en el Partido durante los años de 1939 a 1948. Características principales. Zentralkomitee der Mexikanischen Kommunistischen Partei.

6 Zum Beispiel: América Móvil, Industria Minera México, Cemex, Grupo Bimbo.

7Man sollte nicht außer Acht lassen, dass die im Forum von Sao Paolo überwiegende und außerdem in Brasilien, Argentinien und Uruguay regierende „Fortschrittlichkeit“ die Internationalisierung des Forums von Sao Paolo hauptsächlich auf Grund starker Bindungen zur Partei der Europäischen Linken vorantreibt.

 

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